Kreuzweg für ein Vaterunser | 2006


Kunst im öffentlichen Raum – eine Assemblagenreihe von Irmingard Stelter

Zwischen Aschermittwoch und Ostern wurden 14 Schaufenster in den Geschäften der Drensteinfurter Innenstadt zu einem weltlichen „Kreuz-Weg“ der etwas anderen Art: Schritt man bei den klassischen Kreuzwegen vergangener Jahrhunderte nacheinander die verbildlichten Stationen der Leiden Christi betend bis zu seiner Kreuzabnahme entlang, so bot dieser zeitgenössische Rundgang andere Vorgaben an.

Mit dem „Vaterunser“-Gebet aus der Bibel (Matthäus 6, Vers 5 bis 15) wurde ein Inhaltsrahmen gewählt, der in seinen allgemeingültigen Aussagen zu den menschlichen Bedürfnissen, zur Fehlbarkeit und zu gegenseitiger Vergebung von allen monotheistischen Religionen akzeptiert werden kann. Daher wurden in den Assemblage-Bildern, bestehend aus papiergeflochtenen Streifen und collagierten Fundstücken, die netzartig überstickt wurden, nicht nur christliche Symbole verwandt, sondern auch Zeichen, orthodoxer, koptischer, jüdischer sowie islamischer Religionsgemeinschaften. Dieses „Vaterunser aller“ will im Zeitalter von Globalisierung und weltlicher Vernetzung darauf hinweisen, dass wir unserem intuitiven Wissen folgen sollten, um Religionskonflikte und Diskriminierungen zu überwinden: Wenn es einen Gott für uns gibt, kann es nur EINEN für uns ALLE geben.

Das räumliche Auseinandernehmen und Für-Sich-Stellen jedes einzelnen Verses als „Stationen“ nimmt das „Vaterunser“ heraus aus dem formelhaften Murmeln der Gewöhnung und setzt stattdessen den Akzent auf die starke Aussagekraft jeder Einzelzeile, die durch die Zuordnung und Auswahl des ausstellenden Geschäfts Denkanstöße schafft: So stand der Vers „Unser täglich Brot gib uns heute“ in der Bäckerei, das „Erlöse uns von dem Bösen“ in der Apotheke, „Und führe uns nicht in Versuchung“ im Weindepot, „In Ewigkeit Amen“ im Bestatterinstitut.

Am 12. April fand zum Abschluss der Ausstellung im Kulturbahnhof der Stadt Drensteinfurt eine Diskussion mit der Kuratorin Lisa Deiters und der Künstlerin Irmingard Stelter statt über den Sinn der Aktion, Zusammenhänge und Diskrepanzen zwischen zeitgenössischer Kunst und Religion.

Ausstellungsort | Innenstadt Drensteinfurt

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